Pienza,
das kleine Juwel aus der Renaissance im Herzen der Toskana. Ein Musterbeispiel
für den Versuch in der Renaissancezeit ein ideales Model für
Staat und Leben auf Erden zu entwickeln. Dabei sollte die Anlage der
Stadt den Traum vom friedlichen und produktiven Zusammenleben der Menschen
verwirklichen. Aus diesem Grunde wird Pienza auch als "Stadt der
Utopie" bezeichnet.
PIAZZA
PIO II ist das urbanistische Zentrum von Pienza. Hier sind
alle wichtigen Bauwerke der Stadt versammelt: Palazzo V
escovile
Borgia, Palazzo Pubblico, Palazzo Ammannati und die Kathedrale, die
ein Holzkreuz aus dem Jahre 1462, Werke von Vecchietta, Sano di Pietro,
Matteo di Giovanni und einen Taufbrunnen von Rosselino aufbewahrt.
Auf der rechten Seite der Kathedrale erhebt sich die prächtige
Papstresidenz Palazzo Piccolomini. Hier kann man das Museum mit dem
Waffensaal, dem päpstlichen Schlafzimmer, der Bibliothek und dem
Medaillenschrank von Pio II und Pio III besichtigen.
DER DOM
Die Kathedrale wurde auf dem Platz der antiken Kirche Santa Maria errichtet
und ist aus jeder Perspektive ein eindrucksvoller Blickfang. Die Baustruktur
der Kathedrale zeigt deutliche gotische Einflüsse der Franziskanerkirchen
und der deutschen "Hallenkirchen", die Pio II auf seinen zahlreichen
Reisen in Nordeuropa so bewunderte. Die Stirnseite wurde jedoch eindeutig
im Renaissance-Stil unter dem direkten Einfluss von Leon Battista Alberti
konstruiert, dem Theoretiker der klassischen Architektur im Italien
des 15. Jh..
Das Innere der Kathedrale von Pienza wird von lateinischen Kreuzbögen
auf hohen Säulen, jeweils von Halbsäulen umringt, in drei
Schiffe aufgeteilt. Nach den Wünschen von Pio II, der sich das
Kirchenschiff möglichst lichtdurchflutet vorstellte, wurde das
Mittelschiff breiter als die Seitenschiffe aber in gleicher Höhe
errichtet. In der Kathedrale findet man sowohl Elemente des gotischen
als auch des Renaissance-Stils.
Im Inneren des Doms werden fünf Gemälde von Künstlern
der Sienesischen Schule bewahrt. Dabei handelt es sich um: Maria mit
Kind und den Heiligen Bernardino, Antonio Abate; Francesco und Sabina
di Giovanni di Paolo; Maria mit Kind zwischen den Heiligen Lucia und
Bartolomeo; Matteo und Caterina d'Alessandria di Matteo di Giovanni;
Die auserwählte Jungfrau und die Heiligen Agata, Pio I, Callisto
und Caterina von Siena.
DIE
TAUFKAPELLE SAN GIOVANNI (BATTISTERO)
Unter
der Apsis der Kathedrale befindet sich die Taufkapelle San Giovanni
mit Taufbrunnen und Resten der antiken romanischen Kirche Santa Maria,
die auf Wunsch von Pio II um 1459 abgerissen wurde, um Platz für
die neue Kirche zu schaffen. Die Taufkapelle von Pienza ähnelt
wegen ihrer Lage unter der Apsis des Doms einer klassischen Krypta.
Allerdings kann man Wandrisse von der Kathedrale bis in die darunter
liegende Kapelle verfolgen, deren Ursache in den unstabilen lehmigen
Bodenverhältnissen liegt.
PALAZZO
PICCOLOMINI
Papst
Pio II ließ den Palazzo Piccolomini von Baumeister Rosselino als
Familiensitz errichten. Aus diesem Gr
und
wurden die alten Häuser der Piccolomini abgerissen. Im neuen Gebäude
macht sich deutlich der Einfluss des Alberti bemerkbar. Tatsächlich
ließ sich Rosselini direkt vom Palazzo Ruccellai in Florenz inspirieren,
den er selbst als Schüler des großen Architekten Alberti
nach dessen Bauplänen errichtet hatte.
Trotz seiner imposanten Struktur gesellt sich der Palazzo einträchtig
zu den anderen, wenn auch kleineren Gebäuden des Platzes. Selbst
der nur mannshohe Brunnen aus hellem Travertingestein zu Füßen
des Palazzo Piccolomini fügt sich problemlos in das harmonische
Bild.
Auch der Brunnen wurde von Rosselini geschaffen. Es handelt sich hier
um ein Musterbeispiel der damaligen Architektur, das im Laufe des nachfolgenden
Jahrhunderts wegen seiner Eleganz und Perfektion vor allem in der Toskana
mehrfach nachgeahmt wurde.
Erwähnenswert ist sicherlich auch der elegante Innenhof des Palazzo
Piccolomini, der von einem Bogengang mit korinthischen Säulen umgeben
ist. Hier hat man außerdem Zugang zum hängenden Garten, auf
den die Fassade des Gebäudes mit drei übereinanderliegenden
Balkonen blickt. Der gepflegte italienische Garten vereint noch immer
die Architektur mit der Natur, die sich dem Besucher majestätisch
mit einer Perspektive öffnet, die vom Monte Cetona bis zum Monte
Amiata reicht.
Heute kann man den Palazzo Piccolomini als Museum mit Waffensaal, den
Räumen des Papstes Pio II und Bibliothek besichtigen.
PALAZZO
VESCOVILE (Palazzo Borgia)
Nachdem Pio II seine eigene Residenz und den
Dom fertiggestellt hatte, ermunterte er auch die Kardinäle, sich
um würdevolle Behausungen während ihres Aufenthaltes in Pienza
zu kümmern.
Der Papst selbst erwarb für den Kardinal Rodrigo Borgia (der zukünftige
Papst Alessandro VI) den alten Palazzo Pretorio, damit dieser ihn abreißen
und nach modernen Vorstellungen neu errichten sollte. Borgia ließ
jedoch das alte Bauwerk keineswegs zerstören und beschränkte
sich lediglich darauf, einige Veränderungen vor allem an der Fassade
vorzunehmen und den Palazzo um eine Etage zu erhöhen, was auch
eine Modifikation der inneren Räume zur Folge hatte.
Im letzten Krieg wurde der Palazzo erheblich beschädigt. Borgia
vermachte seinen Wohnsitz im Jahre 1468 an die Stadt Pienza, die das
Gebäude bis in die heutige Zeit als Bischofssitz nutzte.
Heute ist im Palazzo Borgia das Museum der Diözese eingerichtet,
das in 11 Sälen neben mit Miniaturen verzierten Kodexen und flämischen
Wandteppichen auch Gemälde aus dem 13. - 18 Jh. von Malern aus
Siena wie Lorenzetti und Signorelli, zeigt. Neben der ständigen
Ausstellung finden auch zeitgenössische Ausstellungen und andere
kulturelle Veranstaltungen statt.
IL
PALAZZO PUBBLICO
Schließlich
war es der Wunsch von Papst Pio II, daß Pienza über ein eigenes
Rathaus verfügte. Der Palazzo Pubblico wurde gleichzeitig mit dem
Bau des Domturms errichtet und bleibt das einzige Gebäude des Platzes,
das mit Grafitdekorationen versehen ist. Im unteren Teil des Palazzo
wird eine Logenterrasse von mächtigen Säulen unterteilt. Die
kompakte Fassade wird nur von vier doppelten Fensterbögen unterbrochen.
Auf der rechten Seite erhebt sich der Turm aus Terrakottasteinen. Die
ursprüngliche antike Uhr, die Pio II in seinen Schriftstücken
erwähnte, wurde im Jahre 1568 mit dem Uhrwerk des Klosters von
Pontignano ersetzt. Das Rathaus und der Turm wurden wahrscheinlich von
Rosselini entworfen und zum größten Teil von seinem Mitarbeiter
Puccio di Paolo realisiert, der mehrfach in den Baudokumenten Pienzas
erwähnt wird.
DIE
KIRCHE SAN FRANCESCO
Die Einkaufsstraße entlang in Richtung Porta al
Murello kommt man direkt nach dem Palazzo Piccolomini zur Kirche San
Francesco. Sie gilt als das einzige wichtige Bauwerk aus dem Mittelalter
innerhalb der Stadtmauern. Die Kirche besteht aus nur einem Schiff,
dessen Wände ursprünglich sicherlich mit Freskenmalereien
geschmückt waren. Heute sind davon leider nur wenige Spuren vor
allem in der Apsis zu sehen. Erhalten blieben dagegen ein Gemälde
aus der Schule des Duccio Boninsegna, Freskenmalereien aus dem 14. u.
15 Jh., ein Mariengemälde, das Luca Signorelli zugeschrieben wird,
und Gemälde von Matteo Balducci und Ugolino Lorenzetti. Das Holzkreuz
von Maestro di San Pietro in Rosso wurde ins Diözesanmuseum verlegt.
DAS
DIÖZESANMUSEUM VON PIENZA wurde
am 7. Mai 1997 mit neuem Sitz im restaurierten Palazzo Vescovile in
Viale Rossellino eingeweiht.
Das Museum von Pienza zeigt eine äußert reichhaltige Sammlung
an Kunstwerken, Gemälden, Schmuckstücken, Wandteppichen, Heiligtümern,
Tryptichon-Werken, Altarbildern und Holzskulpturen, die allesamt eng
mit der Geschichte der Stadt des Papstes Pio II Piccolomini verbunden
sind.
Pienza
ist auch heute noch eine Stadt mit besonderer Faszination. Ein Gang
durch die engen Gassen bleibt ein unvergessliches Erlebnis.
Entlang den Straßen der Stadt kann man stimmungsvolle Winkel und
interessante Bauwerke entdecken: die "neuen Häuser" von
Pio II, ein Viertel, das von den Arbeitern bewohnt wurde, die zum Bau
der päpstlichen Gebäude gerufen worden waren; das "Konservatorium"
S.Carlo, eine antike Festung, die in ein religiöses Institut umgewandelt
wurde und zur Zeit das Kongresszentrum, die Bibliothek und demnächst
auch das Stadtmuseum beherbergt; das Viertel "Gozzante", der
älteste Stadtkern mit seinen kleinen Häusern, die auf dem
Sandsteinfelsen des Orcia-Tals errichtet wurden.
Pienza bietet seinen Besuchern eine wunderbare Aussicht auf das Orcia-Tal,
das von dem Amiata-Gebirge, der Burg von Radicofani und den Hügeln
Montalcinos eingerahmt wird
In unmittelbarer Nähe von Pienza befindet sich die Kirche Pieve
di Corsignano (nach nur wenigen Minuten über die Strade delle Fonti
erreichbar), ein herausragendes Beispiel romanischer Kunst, das in faszinierender
Einfachheit die Geschichte der Stadt Pienza lebhaft werden lässt.
Wunderschön sind die beiden verzierten Portale, der zylinderförmige
Glockenturm und die zahlreichen Skulpturen, die von den Steinmetzen
der damaligen Zeit außer- und innerhalb der Kirche hinterlassen
wurden. Interessant ist außerdem die winzige Krypta unter dem
Altarraum.
Die Kirche liegt in einer einzigartigen Position inmitten einer faszinierenden